Wasser und Kanalgebühren: Einführung der getrennten Abwassergebühr

Auf der Grundlage geänderter rechtlicher Rahmenbedingungen haben die Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Großlangheim beschlossen die sogenannte „getrennte Abwassergebühr“ einzuführen. Die Einführung dieses flächenbezogenen Gebührenmaßstabes

im Markt Großlangheim zum 01.01.2017,
im Markt Kleinlangheim zum 01.01.2017 und
in der Gemeinde Wiesenbronn zum 01.07.2017

soll nach den Vorgaben der Rechtsprechung zu einer größeren Gebührengerechtigkeit führen.

Zwischenzeitlich sind die umfangreichen Vorarbeiten für diese Maßnahme bereits angelaufen. Es ist uns deshalb ein wichtiges Anliegen, Sie nunmehr aus erster Hand über die damit einhergehenden Änderungen umfassend zu informieren. Bitte beachten Sie auch die dazu versandten Einladungen zu den Bürgerinformationsterminen und -sprechstunden in Ihrer jeweiligen Gemeinde.


Zu einer ersten allgemeinen Vorabinformation sollen nachfolgende Erläuterungen dienen:

Was ist die gesplittete Abwassergebühr?
Derzeit werden die Abwassergebühren nach dem Frischwasserverbrauch ermittelt. Verbrauchten Sie im Jahr z. B. 100 m³ Frischwasser, so zahlten Sie auch für 100 m³ die Gebühren für das Abwasser. Unberücksichtigt blieb bislang das ebenfalls eingeleitete Regen- bzw. Niederschlagswasser. Egal ob große Flächen befestigt waren und in die Kanalisation eingeleitet wurden, oder ob das Niederschlagswasser versickert wurde, die Grundlage für die Abwassergebühr war der Verbrauch des bezogenen Frischwassers, abgelesen an der Wasseruhr. Dies führte dazu, dass der Besitzer eines Eigenheims oft mehr Abwassergebühren zahlte als der Betreiber eines Einkaufsmarktes mit großen befestigten Parkplätzen, da hier oft nur geringe Frischwassermengen (z. B. für Personal-Toiletten etc.) benötigt wurden. Die hier eingeleiteten Mengen an Niederschlagswasser waren jedoch mehrfach höher als beim Einfamilienhaus. Da auch für die Behandlung des Niederschlagswasser hohe Unterhaltskosten im Kanalnetz und auf der Kläranlage bzw. bei der Regenwasserbehandlung anfallen, werden künftig die Kosten für das Schmutzwasser und das Niederschlagswasser getrennt (= getrennte Gebühren). Die Gebühren für das Schmutzwasser werden weiterhin wie auch bisher über den Frischwasserverbrauch (= Wasseruhrablesung) ermittelt. Für die Niederschlagswassergebühren müssen künftig die bebauten und befestigten Flächen der Grundstücke betrachtet werden.

Was ist eine bebaute oder befestigte Fläche?
Als bebaut gelten alle Flächen, die mit einem Gebäude (Wohn- u. Geschäftshaus, Fabrikhalle, Lagerhalle, Schuppen, Garagen etc.) bebaut sind sowie die durch Dachüberstände und sonstige Überdachungen (Carports, Vordächer etc.) überbauten Flächen. Die Flächen können aus Bauplänen ermittelt oder selbst gemessen werden (Dachneigungen bleiben unberücksichtigt). Als befestigt gelten alle Flächen, die so verdichtet wurden, dass die natürliche Versickerungsfähigkeit des Bodens nicht mehr vorhanden ist und auf die Baustoffe aufgebracht wurden. Hierzu zählen u. a. betonierte und asphaltierte Flächen, Pflasterflächen (auch mit Fugenabstand), Rasengittersteine, Ökopflaster, verdichtete Kies- und Schotterflächen.

Grundsätzlich wird zwischen bebauten und befestigten Flächen nicht unterschieden. Ebenfalls erfolgt keine Unterscheidung nach materialspezifischen Abflussbeiwerten, d. h. vom Abflussverhalten werden z. B. Schotterflächen und Asphaltflächen gleich behandelt. Entscheidend ist nur, ob das Niederschlagswasser von diesen Flächen in die Kanalisation eingeleitet wird.

Wann wird Niederschlagswasser in die Kanalisation eingeleitet?
Niederschlagswasser kann direkt über vorhandene Anschlüsse in die öffentliche Entwässerungseinrichtung oder auch indirekt eingeleitet werden. Eine indirekte Einleitung kann auch durch oberirdisches Ableiten erfolgen.

Beispiel: Niederschlagswasser fließt aufgrund eines Gefälles über befestigte oder bebaute Flächen eines Grundstückes auf eine öffentliche Straße und gelangt von dort aus über die Straßenentwässerung in die öffentliche Entwässerungseinrichtung. Als nicht angeschlossen gelten bebaute und befestigte Flächen, bei denen das Niederschlagswasser auf unbefestigten Flächen abläuft und dort versickert.

Was zählt zur „öffentlichen Entwässerungseinrichtung“?
Zu der „öffentlichen Entwässerungseinrichtung“ zählen die gesamte Kanalisation (Regen-, Schmutz- und Mischwasserkanalisation, Gräben im Innerortsbereich, Verrohrungen) sowie die Kläranlage. Zudem zählen hierzu auch Sonderbauwerke wie z.B. Regenrückhaltebecken oder Regenüberlaufbecken (sog. Mischwasserbehandlungsanlagen).

Grundstücksabflussbeiwert / Ermittlung der gebührenpflichtigen Fläche
Der Grundstücksabflussbeiwert gibt den zu erwartenden Anteil der bebauten und befestigten Flächen an der Gesamtgrundstücksfläche an. Ein Grundstücksabflussbeiwert von 0,3 bedeutet z. B., dass 30 % der Grundstückfläche bebaut oder befestigt sind. Diese Grundstücksabflussbeiwerte sind nach Bebauungsdichte gegliedert, wobei ein Grundstücksabflussbeiwert von 0,13 eine minimale Bebauungsdichte und ein Grundstücksabflussbeiwert von 0,9 eine maximale Bebauungsdichte bedeutet.

Anhand von Luftbildern und der digitalen Flurkarte wird bei den einzelnen Grundstücken in den Gemeindegebieten der individuelle Versiegelungsgrad aus Dachflächen und befestigten Flächen ermittelt und dann einer von sechs Stufen dem jeweiligen Grundstücksabflussbeiwert.

Die gebührenpflichtige Fläche ergibt sich nun, indem die gesamte Grundstücksfläche mit dem jeweiligen Grundstücksabflussbeiwert multipliziert wird.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte den Informations- und Erhebungsbögen, welche Ihnen per Post zugegangen sind.

 

Nachstehend können Sie sich die Beamer-Präsentationen der Bürgerinformationsveranstaltungen im PDF-Format herunterladen:

Präsentation der Bürgerinformationsveranstaltung Großlangheim vom 04.07.2016
Präsentation der Bürgerinformationsveranstaltung Kleinlangheim vom 11.07.2016
Präsentation der Bürgerinformationsveranstaltung Wiesenbronn vom 10.04.2017

Die entsprechenden Änderungsanträge für versiegelte und einleitende Flächen, Teilungsanträge sowie Meldungen für brauchwassergenutzte Zisternen stellen wir in der Rubrik "Formulare & Downloadsexterner Link" zur Verfügung.